Wissen Sie, ob Ihr Projekt wirklich rund läuft?
Woran erkennen Sie das? Und was ist eigentlich “rund”?
Wie ist die Qualität Ihrer Arbeit? Und, noch wichtiger: ist sie besser oder schlechter geworden? Das ist natürlich eine sehr wichtige Frage; wenn Sie Ihren Kunden keine akzeptablen Erebnisse bringen können, wird sich das bald herumsprechen. Vielleicht waren Sie früher mal gut, aber jetzt wird man von Ihren Diensten abraten.
Wenn Sie also nur eine einzige Sache aus dieser Artikelserie umsetzen wollen – setzen Sie diese um.
Sicherlich haben Sie ein Bauchgefühl, wie Ihr Projekt läuft: aber wie können Sie verläßlich feststellen, wie es wirklich darum steht?
Nämlich so: messen Sie Sachverhalte objektiv, und ziehen Sie Schlüsse aus den Messungen. CMMI nennt das “Measurement and Analysis”. Das CMMI Handbuch sagt:
“The purpose of Measurement and Analysis (MA) is to develop and sustain a measurement capability used to support management information needs.”
Messung und Analyse läuft in drei Schritten ab:
- Herausfinden, was man eigentlich messen möchte
- Meßdaten sammeln und speichern
- Die gesammelten Daten analysieren und verstehen
Schritt eins: Was ist es überhaupt wert, gemessen zu werden?

Das ist natürlich der wichtigste Schritt.
Es hängt völlig von Ihrem Projekt und Ihrer Organisation ab, daher bietet sich an dieser Stelle keine konkrete Auflistung an. Aber es gibt eine generelle Regel: es macht keinen Sinn, Dinge zu messen, auf die man keinen Einfluß hat. Das mag sich zwar nach einer Binsenweisheit anhören, in der Praxis ist es aber überraschend leicht, in in diese Falle zu tappen. Daher: halten Sie sich nicht mit Dingen auf, die außerhalb Ihrer Kontrolle liegen.
Suchen Sie also nach Dingen, die
- sie beeinflussen können
- für Sie von Bedeutung sind
- meßbar sind Wenn Sie zum ersten Mal mit Messungen vornehmen, übertreiben Sie nicht. Fangen Sie klein an, und wenn Sie mehr Erfahrung mit diesem Werkzeug bekommen, erweitern Sie Ihren Horizont. Denken Sie daran: Meßdaten entwickeln ein Eigenleben. Sie “fordern” eine Auswertung, und das Nachdenken über Schlußfolgerungen und Konsequenzen. Belasten Sie sich also nicht über Gebühr mit Dingen, die getan werden wollen.
Ein konkretes Beispiel: Vielleicht wollen Sie die Anzahl an von Anwendern gefundenen Bugs aufzeichnen?. Für Kunden sichtbare Defekte zu bobachten und zu reduzieren ist sicherlich ein lohnendes Ziel.
Ist Ihnen die Betonung und Einschränkung auf Anwender aufgefallen? Immerhin gibt es ja auch andere Quellen für Fehlerberichte: interne Tests zum Beispiel. Diese zu verfolgen kann auch interessant sein, aber es gibt einen Haken: es ist sehr einfach, diese Metrik zu verbessern – testen Sie einfach weniger. Aber das ist natürlich nicht zielführend.
Was ich damit sagen will: seien Sie sehr wachsam, was Sie messen, und wie die Zusammenhänge aussehen. Es ist sehr leicht, falsche Anreize zu setzen und unerwünschte Resultate zu erzielen.
Schritt zwei: Was kann man überhaupt messen?
Wenn Sie also herausgefunden haben, was Sie gern genauer betrachten würden, ist die nächste Frage natürlich: Wie?
Blöderweise lautet die Antwort erneut: konnt drauf an. Suchen Sie nach quantifizierbaren Faktoren, die ihr gewähltes Thema beeinflussen.
Was Sie aber auf jeden Fall tun sollten, ist, die Datenerhebung zu automatisiere, oder zumindest so unkompliziert wie möglich zu machen.
Wenn die Datenerfassung mühsam ist, wird sie Ihre Produktivität herabsetzen. Aber noch vien schlimmer: sie wird einfach nicht gemacht werden. Stattdessen wird die Erfassung aufgeschoben oder halbherzig gemacht. Und in der Konsequenz werden Sie keine zuverlässigen Schlüsse ziehen können, und dier ganze Arbeit war für die Katz.
Im Falle unseres vorherigen Beispiels könnten Sie also den Bugtracker nutzen (Sie verwenden doch einen?), um die gewünschten Bug-Statistiken wöchentlich zu erzeugen.
Schritt drei: Habe Daten, suche zündende Idee
Nachdem Sie also Daten gesammelt haben, beginnt die Analyse und die Ableitung von Erkenntnissen.
Oft ist es hilfreich, sich den Sachverhalt als Diagramm anzeigen zu lassen.
Stellen Sie sich die Frage: Wie kann ich die Situation, die zu dieser Metrik führt, in meinem Sinne beeinflussen? Ganz wichtig: ich sagte nicht, die Metrik zu beeinflussen. Jagen Sie nicht einer Zielzahl hinterher, und verbessern Sie nicht versehentlich die Metrik statt dem eigentlichen Sachverhalt. Wenn Sie deutlich den Eindruck haben, daß sich etwas verändert, aber Ihre Metriken zeigen nichts davon – dann messen Sie vielleicht das Falsche.
Seien Sie sich sicher, was die Daten Ihnen wirklich sagen, und handeln Sie erst dann.